Radfahrer-Club 1903 Ilbenstadt e.V.

Mach mit! Radfahren hält fit

Sehen wir Licht am Ende des Tunnels?
Kanzlerin und Ministerpräsidenten beraten das mögliche Lockdown-Ende

NEIN!
Die Vereinsaktivitäten werden weitere Wochen ruhen

Heute, am 13. April 2020 wird um 16:30 Uhr der Hessische Ministerpräsident Bouffier das Ergebnis der Beratungen zu einem schrittweisen Abbau des Lockdown verkünden. Was können die Radfahrvereine erwarten? Im Grunde nichts, die Vereinsaktivitäten werden, soweit sie sich außerhalb des medialen Raumes bewegen, weiter nicht zulässig sein.

Ziehen wir die Dritte Ad-hoc-Stellungnahme vom 13.04.2020 der Wissenschaftler der Leopoldina zur nachhaltigen Überwindung der Krise zu Rate, finden wir dort auf Seite 3 unter der Überschrift „Öffentliches Leben schrittweise normalisieren“ den Satz:

„In Abhängigkeit von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten sollten gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Veranstaltungen nach und nach wieder ermöglicht werden.“

Doch der Teufel steckt in den Rahmenbedingungen zur räumlichen Distanz und zu den Kontaktintensitäten. Konsens ist, dass der Virus uns dauerhaft begleiten wird. Dabei ist eine Herdenimmunität bei 60 bis 70% der Bevölkerung erreicht, die eine Infektion durchlaufen haben – da sind wir bei einer Einwohnerzahl von rund 83 Millionen noch ein Stück weit weg – oder geimpft wurden. Ein Impfstoff könnte bei günstigen Bedingungen Ende des Jahres verfügbar sein. Ein Hoffnungsschimmer stellt für einige die Reproduktionszahl unter -1- dar, die aussagt, dass ein infizierter nur noch eine weitere Person anstecken kann und danach die Kette unterbrochen ist. Doch auch hier gilt: Die räumliche Distanz muss gewahrt bleiben!

Brechen wir das Ganze auf unseren Radsport herunter
(Ergänzend hierzu: Unser Artikel zur Absage der Frühjahrs-RTF und -CTF vom 22. März 2020):

RTF- und CTF-Veranstaltungen
Die räumliche Distanz der Radfahrerinnen und Radfahrer untereinander zu gewährleisten ist ein Kraftakt, der nur bei gutem Willen aller Beteiligter und optimalen Raumverhältnissen zu gewinnen ist. Hier sprechen wir in der Hauptsache von den Örtlichkeiten Start und Ziel sowie von den Service- (Kontroll-)punkten:

  • scan&bike
    • Abstand der Teilnehmer untereinander regeln (Hilfen zur Abstandseinschätzung/Anzahl der Stationen anpassen)
    • Abstand zum Bedienpersonal vergrößern
    • Mund-/Nasenschutz tragen
    • Self-Check-In-Terminals zum Standard erheben
    • Zusatzpersonal zur Eintragung in die Wertungskarte einsetzen
      Stationsbediener ohne Kontakt zu Start- und Wertungskarten (Tastaturbelastung mit Bakterien und Viren)
  • Service-(Kontroll-)punkte:
    • Abstandsregeln – siehe scan&bike
    • Spuckschutz für Lebensmittel verwenden
    • Keine Selbstbedienung aus Gebinden
    • Personal am Kontrollstempel ohne Lebensmittelkontakte!
  • Räumliche Distanz der Radfahrer untereinander
    Hier hatten wir bereits am 22. März 2020 darauf hingewiesen, dass die 1,5-Meter-Abstandsregeln  nicht anwendbar sind. Fahrtwind, Verwirbelungen der Luft, sind zum Beispiel Parameter, die virenbelastete Tröpfchen erheblich länger und weiter in der Schwebe halten können. Zusätzliche „Tröpfchenproduktionen“ durch Husten, Niesen oder Schnäuben der Nase sollten ohnehin während der Fahrt unterbleiben.
    Jetzt hat eine Studie der Universitäten Leuven (Belgien) und Eindhoven (Niederlande) unter Leitung von Bert Blocken, Professor für Gebäudephysik und Aerodynamik, sich der 1,5-Meter-Abstandsregeln bei sportlicher Betätigung angenommen. Die wesentlichen Ergebnisse für uns sind:

    • Windschattenfahren ist keine gute Idee.
      Sollte im „Windschatten“ gefahren werden, gelten nachfolgende Abstände als relativ sicher

      • 5 m Abstand beim langsamen Laufen und Radfahren (Studie: 4 km/h)
        und
      • 20 m Abstand bei höherer Geschwindigkeit (Studie: 14,4 km/h).
        Da die Geschwindigkeiten beim Radfahren doch regelmäßig über 14,4 km/h liegen, sollte der Abstand sicherheitshalber verdoppelt werden.
      • Versetztes Fahren wird empfohlen.
        Ausserhalb des Windschattens können die Abstände verkürzt werden.
      • Tröpfchenwolke bei Überholvorgängen berücksichtigen, schert rechtzeitig aus und beachtet die Windrichtung.
    • Nebeneinander fahren ist die bessere Entscheidung.
      • Hier sollten 1,5 bis 2,0 m Abstand reichen, da die Tröpfchenwolke hinter den Radlern landet.

    Bericht zur Studie bei der Deutschen Welle
    Fragen und Anworten der Studienautoren
    Social Distancing v20_White_Paper
    Zeit Online vom 16.04.2020: Das Virus und der Windschatten

Fazit
Unter den Prämissen der räumlichen Distanzierung bei möglichst geringer Kontaktintensität Radsport in Gruppen anzubieten bevor die Herdenimmunisierung gelungen ist, können wir als Drahtseilakt bezeichnen. Wenn er gelingt, ohne dass Radsportler und ihr Umfeld von Coronavirusinfektionen betroffen werden, ohne dass unsere Gesundheitssysteme an oder über ihr Limit geraten, war alles gut. Rufen wir uns noch ins Gedächtnis, dass viele Vereinsmitglieder und Starter bei unseren Veranstaltungen Angehörige von Risikogruppen sind, für die wir eine besondere Verantwortung haben. Wer steht vorne und ruft: Mir nach!

Was uns sicher bleibt, sind unsere Ausfahrten mit maximal einem Partner. Auch das BDR-Angebot über die German Cycling Academie auf der Plattform Zwift ist eine Alternative (Artikel zu Zwift in der taz und in der Zeit). Schaut Euch noch andere Plattformen an, wie zum, Beispiel ROUVY, die anlässlich des virtuellen Rennens am 1. Mai Eschborn – Frankfurt zu großer Form auflief. Der BDR berichtete über diese Coronaversion des Rennens.

Haltet Kontakt und bleibt gesund!

 

Bildnachweis:
Stop Corona – ©ville/stock.adobe.com

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