Radfahrer-Club 1903 Ilbenstadt e.V.

Mach mit! Radfahren hält fit

Corona-Updates „Breitenradsport“ ab dem 14. Mai 2020
Sehen wir Licht am Ende des Tunnels?

Ein klares JEIN!
Ja zu Lockerungen mit beinharten Bedingungen

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Update vom 23.05.2020 – Abstandsregeln und Veranwortlichkeiten
für Radwanderung des RV Rosbach am 24.05.2020 unzureichend formuliert

Heute haben wir eine Teilnahmewarnung zu beabsichtigten Radwanderungen des RV Rosbach vom 24. Mai 2020 bis 13.0 Juni 2020 herausgegeben. Insbesondere die Abstandsregeln sind indiskutabel gering!
Dass auch ausreichende Abstandsregeln durchgesetzt werden müssen, haben wir bei unserer Radwanderung am 23. Mai erlebt. Es musste ständig auf deren Einhaltung geachtet werden. Es braucht halt Zeit, bis sich hier Geläufigkeiten herausbilden.

Doch was passiert, wenn der Verein nicht auf ausreichend dimensionierte Abstands- und Hygieneregeln achtet? Hier gibt es Reaktionsmöglichkeiten, die von Hinweisen, über Teilausschluss von Teilnehmern bis hin zum Veranstaltungsabbruch reichen.
Was passiert, wenn der Veranstalter/der oder die Gruppenleiter ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Hier hat der LSB Hessen auf seinen informativen Seiten zur Coronavirusproblematik in seinen FAQ treffende Antworten, die hier ob ihrer Bedeutung zitiert werden:

Der Verein übernimmt eine gehörige Verantwortung und muss dieser gerecht werden.

Zur Abstandsregel, auf deren Gestaltung wir uns auf die Studie von Prof. Bert Blocken – siehe unten – stützen, ist wieder in die Kritik eines Virologen, Prof. Hartmut Hengel von der Gesellschaft für Virologie geraten (siehe Tour 6.2020 und Onlineartikel). Er sieht die Infektionsgefahr über Aerosol als nicht gesichert an. In der Hauptsache sei dies die Tröpfcheninfektion, bei der die hauptsächlich beim Husten, Niesen und Schnäuzen entstehenden Tröpfchen in die Atemwege anderer gelangen. Im Freien seien die Viren ohnehin nicht lange überlebensfähig und beim Überholen wäre das Ansteckungsrisiko überschaubar, wenn die 1,5 bis 2-Meter-Distanz eingehalten werden würde und kein Sport in Gruppen durchgeführt wird.
Ähnlich äußert sich der Epidemologe William Hanage, vom Harvardcenter for Communicable Disease Dynamics, der Blockes Arbeit als unwissenschaftlich abtut; die Übertragung von Mikrotröpchen sei nicht bewiesen unds bei den größeren Tröpfchen käme es ohnehin auf die Menge an, die er im Freien als zu gering ansieht. Bezüglich des Überholens und kein Sport in Gruppen kommt er zum gleichen Schluss wie Hengel.
Eigene Wertung:
Die Kritik des Virologen und des Epidemiologen geht fehl. Einerseits haben sie der Studie Blockens unterstellt, dass sie eine Wertung in virologischer, epdidemolgischer vornimmt. Die Autoren stellen klasgar, dass sie in dieser Richtung keine Wertung vorgenommen haben und wollen. Sie haben das Verhalten von Aerosolen und Tröpfchen visualisiert und gemessen, wann bei einer bestimmten Geschwindigkeit diese soweit abgesunken sind, dass der Hintermann nicht mit dem Gesicht in diese Wolke hineinfährt und somit keine Virenlast in dessen Atemwege gelangen kann. Alles andere überlassen die Studienautoren den Virologen und Epidemiologen (siehe Frage und Antwort Nr. 4 der Studienautoren).
Beide Kritiker unterstellen, dass keine Gruppenfahrten gemacht werden. Na ja, dann sind sie nicht besonders im Radsport zuhause, in dem Gruppenfahrten zu den beliebten Standards gehören. Es ist schwierig, das Verhalten an die neue Situation zu adaptieren und jeder Radsportler sollte um die Gefahren des Gruppenfahrens und um die notwendigen Abstände wissen. Die wissenschaftlich unbeantwortete Frage, ob die geringe Virenlast im Aerosol eine signifikante Infektionsgefahr birgt, mag dem verantwortungsvollen Radsportler völlig schnurz sein. Denn letztlich mal als Beweis dafür angeführt zu werden, dass über das Aerosol doch eine COVID-19-Infektion möglich ist, wird denn dann Erkrankten nicht trösten.

Die Kritik der beiden Experten vermag unsere Haltung zu den auf Grundlage des Studie Blockens und Kollegen nicht erschüttern!
Das Ganze Hin- und Her zeigt, wie wichtig eine fundierte, einheitliche Regeln sind. Politik, Verbände und Wissenschaftler diskutieren teilweise aneinander vorbei. Vereine, Radsportlerinnen und Radsportler greifen sich eine für sie günstige Regelung heraus, beliebt sind die, die nicht belasten. Auf den Punkt bringt die Situation eigentlich der BDR, der sich auf die 1,5 m- bis 2 m-Regel zurückzieht und ein „individuelles Sicherheitsplus“ empfiehlt. So kann gemeinsamer Radsport in der Krise nicht aussehen. Man sollte alleine fahren und andere Radsportler meiden. Dies liegt aber nicht im Interesse der Vereine, nicht im Interesse der Radsportler, denen vielfach der persönliche Austausch mit Gleichgesinnten fehlt. Individuelles Radfahren funktioniert auch in der Krise, aber es ist nicht alles! 

 

Update vom 21.05.2020 – Abstandsregeln und die liebe Physik
Nachtrag zum Update vom 16.05.2020

Auch die gesetzliche Unfallversicherung VBG hat in ihren Empfehlungen SARS-VoB-2-Arbeitsdschutzstandard für Sportvereine die Abstandsregeln aus der unten zitierten Studie von Professor Bert Blocken und Kollegen von den Universitäten Leuven (Belgien) und Eindhoven (Niederlande) übernommen. In den Empfehlungen wurden für das Laufen und langsame Radfahren 10 m und bei höherem Tempo 20 m aufgenommen. Wir empfehlen darüber hinaus weiter unsere zusätzlichen abgeleiteten Regeln aus dieser Studie, die auf wechselnden Grundbedingungen, Einflüssen beruhen. Einzig der Abstandsregel für das Nebeneinanderfahren von 4 bis 5 m folgen wir nicht. Letzteres ergibt sich nicht aus der Studie und macht nur Sinn, wenn nicht im Freien, sondern in schlechter belüfteten, gedeckten Sportanlagen trainiert wird.
Die Empfehlungen von DOSB und BDR halten wir bezüglich der Abstandsregeln nach wie vor für nicht sachgerecht. Sie findem beim RC 03 Ilbenstadt für das Radtraining und das Tourenfahren auf Vorstandsbeschluss in dieser Form keine Anwendung.

 

Update vom 16.05.2020 – Abstandsregeln und die liebe Physik

Seit der BDR in der ersten Auflage der Übergangsregeln Breitensport mit einem separaten Papier zu RTF und CTF den Abstand von 30 m bis 50 m zwischen den Radfahrern angemahnt hatte, verstummt die Diskussion vermutlich erst jetzt, nachdem die Zweitauflage der Übergangsregeln lediglich ein Windschattenfahren verbietet und zur Abstandsregelung auf die 10 Leitplanken des DOSB verwiesen wird. Hier gilt die 2-Meter-Regel und zusätzlich ein unbestimmtes Abstandsgebot: „Auf Grund der Bewegung beim Sport ist der Abstand großzügig zu bemessen“. Endlich geschafft? Jede Radlerin und jeder Radler kann, beziehungsweise muss wegen fehlenden Anhalts, den Abstand nach eigener Einschätzung einrichten. Dass dies gehörig schief gehen kann, liegt auf der Hand. Die möglichen Folgen sind bekannt.
Die ursprünglich starre Regelung auf 30 m bis 50 m war wohl in der Rückschau mit Ursache des Aufschreies. Damit war man auf Vereins- und Veranstalterseite sicher, da der Teilnehmer nicht auf wechselnde Einflüsse reagieren musste, der Abstand war auf jeden Fall gut bemessen. Sicher kann der Abstand in Abhängigkeit zur gefahrenen Geschwindigkeit, zur Windrichtung und Stärke sowie  der Fahrposition in der Gruppe variiert werden. Hier ist jedoch das Wissen um die Ausbreitung der Tröpfchenwolke und ständige Aufmerksamkeit der Sportlerinnen und Sportlern gefordert.

Grundlagen einer realistischen Abstandsgestaltung
Die 2-Meter-Regel des DOSB, aktuell auf 1,5 Meter bis 2 Meter abgeändert, ist zwischen stehenden Personen im direkten Austausch auch ohne Mund-/Nasenschutz ausreichend. Dass dies in der Bewegung anders sein könnte, hat auch der DOSB mit seiner „Großzügigkeitsregel“ erkannt.
Bert Blocken, passionierter Radfahrer und Professor für Gebäudephysik und Aerodynamik an den Universitäten Leuven (Belgien) und Eindhoven (Niederlande) hat mit einer Gruppe Wissenschaftler mit einer Studie Licht in das Dunkel gebracht. Der Speichelpartikelausstoß wurde in einem Windkanal bei Gehern und Läufern mit speziellem Licht visualisiert und bei verschiedenen Geschwindigkeiten in der Ausbreitung gemessen. In der Windschattenposition ergaben sich folgende Abstände, bei denen die Ansteckungsgefahr hinter einem COVID-19-erkrankten Vordermann unwahrscheinlich ist:

  • 4-5 m Abstand bei einer Gehgeschwindigkeit von 4 km/h
  •   10 m Abstand bei einer Laufgeschwindigkeit von 14,4 km/h
  •  20 m Abstand bei höheren Geschwindigkeiten (21 m bei 30 km/h)

Bevor Fragen auftauchen: Die Werte sind direkt auf Radfahrer übertragbar. Mit einem 1,5 m- oder 2,0 m-Abstand hätte man direkt hinter dem Vordermann laufend oder fahrend ständig dessen Speichelpartikel im Gesicht. Wenn diese eine Virenlast transportieren, ist eine Ansteckung sehr wahrscheinlich.
Beim beliebten Windschattenfahren gehe ich mal von einer Entfernung der Köpfe von 4 m aus. Dies hieße, dass je nach Geschwindigkeit der Kopf des Hintermannes in einer halben bis einer Sekunde mit dem Gesicht in der Tröpfchenwolke des Vordermannes ankommt. Wir wissen alle, dass dieser Abstand in aller Regel noch viel kürzer ist, weil man dem Vordermann förmlich am Hinterrad „klebt“. Bei 14,4 km/h (=4 m/s) haben die Tröpfchen bei 10 m Abstand gerade mal 2,5 s Zeit, um soweit abzusinken, dass der Hintermann diese nicht mehr ins Gesicht bekommt. Bei 30 km/h (=8,33 m/s) liegt der Abstand rechnerisch bei knapp 21 m, damit die Tröpchen ihre 2,5 s Absinkzeit haben. Warum bei 4 km/h (= 1,11 m/s) ein zeitlicher Abstand von gut 4 s empfohlen wird, erschließt sich mir jetzt nicht. Möglicherweise ist das Tröpfchenverhalten bei geringen Geschwindigkeiten ein anderes. Aber 4 km/h sind für unsere Betrachtungen ohnehin nicht relevant.

Die Messungen, die ihr in der Studiendokumentation (Social Distancing v20_White_Paper) und in den Fragen und Antworten der Studienautoren nachlesen könnt, wurden ohne Gegen-, Rücken- oder Seitenwind durchgeführt. Kommen diese in der rauen Wirklichkeit hinzu, müssen wir von den Grundwerten ausgehend variieren. Das Nebeneinanderfahren oder eine gestaffelte Formation auf der windzugewandten Seite erlaubt eine Verdichtung, die Abstände können reduziert werden. Bei Richtungswechseln ist vorausschauendes Fahren und eine Anpassung der Formation notwendig. Unter den aufgezeigten Parametern sind auch Überholvorgänge zu gestalten. Das heißt, rechtzeitig ausscheren und vor allem, den oder die Überholten nicht in eine Speicheltröpfchenwolke hüllen; fahrt erst den Sicherheitsabstand heraus! Bei verkehrsbedingten Halten kann auf den 2-Meter-Mindestabstand aufgeschlossen werden, wenn dieser bei Fahrtaufnahme wieder auf den erforderlichen Abstand vergrößert wird.

Die Studienautoren äußern sich auch zum Tragen einer Maske: Verboten ist das Tragen einer Maske nicht. Die Sicherheit wird erhöht. Bei diesen Abstandsregeln muss jedoch eine Maskenpflicht nicht sein.

Mit diesen Abstandsregeln ist eine weitgehende Sicherheit vor einer Infizierung mit dem Coronavirus möglich. Allen Zweiflern, auch denen, die auf ihre robuste Gesundheit und „natürliche Immunität“ schwören, aber auch allen Verschwörungstheoretikern sei gesagt, leichtfertiges oder vorsätzliches Unterschreiten der Mindestabstände gefährdet im Falle einer Infektion Mitradler, deren Familien, Freunde, Bekannte und Kollegen; fahrt, wo ihr wollt, vorzugsweise alleine!

Hier noch Veröffentlichungen zu diesem Thema. In der Zeit und in der Pharmazeutischen Zeitung wird zwar auch Kritik geübt, doch die Kernaussagen der Studie von Professor Bert Blocken und Kollegen steht.

Bericht zur Studie bei der Deutschen Welle
Zeit Online vom 16.04.2020: Das Virus und der Windschatten
Pharmazeutische Zeitung vom 06.05.2020: Wie verteilt sich das Coronavirus?

 

Update vom 14.05.2020 – Neue Übergangsregeln des BDR

Langsam beginnt es unübersichtlich zu werden. Bevor die Lagebeschreibung einer Zusammenfassung zugeführt wird – ein Zeitproblem … – werden ab jetzt Änderungen fortlaufend in diesem Beitrag zusammengefasst. Es sind mit hoher Wahrscheinlichkeit kurzfristig keine grundlegenden Änderungen zu erwarten, es sei denn, die Breitensportkommission des BDR entschließt sich zur kompletten Absage der RTF-/CTF-Saison 2020. Für eine Absage werden immer mehr Stimmen laut, zumal sich die bereits abgesagten RTF und CTF schon weit in den August erstrecken.

Einschub
Aktuell kann nachgetragen werden, dass seitens des BDR der Radmarathon-Cup Deutschland heute Mittag für 2020 abgesagt wurde. Warum nicht auch RTF und CTF? Mit einer Freigabe der abgesagten Touren als Permanente, die mit maximal 2 Punkten bewertet werden, würde den RTF- und CTF-Fahrerinnen und -Fahrern ein Saisonziel – auch rückwirkend! – vermittelt, das in kleinen Gruppen abgeradelt werden kann. Diese Variante ist immer noch besser, als auf die nächsten Absagen zu warten! Als Bonbon, so ein Vorschlag aus den Reihen von NRW, könnte sein, dass diese neuen Permanenten bis zu dreimal in die Wertung genommmen werden können; ein motivierendes Zugeständnis, das unsere Radlerinnen und Radlern mit eingeschränktem Aktionsradius zugute kommen kann. Natürlich steht es jedem Verein frei, seine Veranstaltung zu realisieren. Etappenfahrten sollten außen vor bleiben; für den kleinen Teilnehmerkreis sind andere Hürden existent. Bravo, wenn diese gemeistert werden.

Was ist neu?
Die veröffentlichten Übergangsregeln des BDR für verantwortungsvolles Sporttreiben wurden geändert. Ich hatte registriert, dass die speziellen Regelungen für RTF- und CTF-Veranstaltungen im Anhang fehlten. Daraus schloss ich, dass sie sich offenbar in Überarbeitung befinden. Weit gefehlt. Dieser Anhang ist getrichen und die Regelungen für RTF und CTF wurden in das Schaubild „Übergangsregeln Breitensport“ übernommen. Dies entging zunächst meiner Aufmerksamkeit, doch seit dem 13. Mai 2020 hat es sich inhaltlich geändert. Die Regelungen für RTF und CTF wurden großzügig in einen Satz gepackt und dieser unter dem Punkt „ggf. Wettkampfbetrieb“ als Nummer 2 und Radwandern eingefügt. In der Überschrift wird die Beachtung der länderspezifischen Vorgaben und der 10 Leitplanken des DOSB angemahnt. Der DOSB hat diese Neufassung noch nicht übernommen. Bis zu einer Prüfung ist auf der DOSB-Seite noch die alte Fassung eingestellt. Im Einführungstext zu den Übergangsregeln, hat auf der BDR-Seite sich hartnäckig die Altregel mit „30 m-Abstand“ und „Rudelbildung“ gehalten. Seitens des HRV wird neben dem Verweis auf die Regelungen des DOSB und des BDR auf die landesspezifischen Regelungen mit einem Link auf das Gesetz- und Verordnungsblatt Hessen sowie einem Zitat des § 2 Absatz 2 der Corona-Kontakt und Betriebsbeschränkungsverordnung als Hilfestellung für die Vereine reagiert. Das geht auch: Kurze, knappe Informationen schnell an Frau und Mann gebracht.
Meine Beurteilung im Lichte der Verordnungslage in Hessen steht. Die detailarme Darstellung der Verbände macht keine Neubewertung erforderlich.

Vergleich Alt/Neu:
NEU – Schaubild „Übergangsregeln Breitensport NEU – 13.05.2020“
NEU – Übergangsregeln des BDR für verantwortungsvolles Sporttreiben
ALT  – Schaubild „Übergangsregeln Breitensport ALT – 04.05.2020“
ALT  – Übergangsregeln für die Organisation von RTF- und CTF-Veranstaltungen

Bleibt aktiv und gesund!

Bildnachweis:
Stop Corona – ©ville/stock.adobe.com

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